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Nach der Gewittererfahrung während der Sommerfahrt - Böenwalze mit Sturmstärke, dann mehrere starke Gewitter - hab ich nach Wissen zum Blitzschutz und nach Erfahrungen erster Hand gesucht. Und musste feststellen, dass es im Netz ziemlich viel gibt, aber kaum Genaues, und fast keine Erfahrungsberichte.
Das spricht erstmal dafür, dass die Rede von der geringen statistischen Wahrscheinlichkeit, mit der ein Boot vom Blitz getroffen wird, zumindest nicht falsch ist. Oder trauen sich die Leute nicht, darüber zu schreiben? Denn auf der anderen Seite lagen wir in Wladyslawowo neben einer holländischen Segelyacht, bei der sämtliche Instrumente im Masttop zerstört waren, und der Radarreflektor baumelte nur noch an einer von zwei Halterungen vom Achterstag. Blitzschlag. Der Skipper, ein Alleinsegler, wirkte ein bisschen verstört.
Die gute Nachricht, die ich aus den verschiedenen Forumsdiskussionen rausgelesen habe, ist, dass wir mit Aimé ziemlich gut fahren - im Stahlrumpf ist man vor dem Blitz bestens geschützt. Die Strategie, während des Gewitters unter Deck zu gehen, war also erstmal richtig.
Und auch die Blitzableitung funktioniert auf einem Stahlboot gut. Der Blitz schlägt im Topp oder im oberen Drittel in die Wanten oder Stagen ein, wird dann von den Drähten in den Rumpf geleitet und durch den Rumpf ins Wasser. Weil Mast und Wanten mit dem Rumpf leitend verbunden sind - unsere Püttings sind aus Niro und auf den Rumpf geschweißt - sollte das theoretisch funktionieren. Der Verband der Elektrotechnik (VDE) bestätigt diese Überlegungen in seiner Broschüre zum Blitzschutz auf Yachten.
Damit ist allerdings noch nicht alle Gefahr gebannt. Blitze erzeugen ein so starkes elektromagnetisches Feld, dass die Elektronik trotz guter Ableitung kaputt geht. Sofern sie nicht in einem Metallkoffer geschützt liegt, was an Bord mit den Instrumenten, die in Benutzung sind, leider nicht zu machen ist. Empfohlen wird ein massiver Potenzialausgleich, aber die Leitungsquerschnitte, die vom Blitz nicht zerstört würden, sind etwas zu groß, um wirklich praktikabel zu sein. Zumal wenn es darum geht, das nachträglich zu installieren.

Meine Lösung ist deshalb:

  • Die Steuerung des Autopiloten so einbauen, dass das Boot damit von unten gesteuert werden kann.
  • Backup für die notwendigen Instrumente, das heißt ein Metallkoffer mit Laptop und GPS-Maus, die im schlimmsten Fall auch eine schwierige Ansteuerung ermöglichen. Was vor allem wegen der Seekarten wichtig ist, weil wir inzwischen nur noch die Übersegler auf Papier haben.

Wenn uns also nochmal eine so massive Gewitterfront begegnet, sollte die neue Routine so funktionieren:

A) mit ausreichend Seeraum

  1. Großsegel ins dritte Reff und Sturmfock setzen
  2. beidrehen
  3. unter Deck gehen
  4. Ausguck: AIS-Radar, durch die Fenster und gelegentlich draußen ein Rundumblick

B) in Küstennähe

  1. Großsegel ins dritte Reff und Sturmfock setzen
  2. sobald der Wind sich eingedreht hat, Kurs absetzen und Segel einstellen
  3. unter Deck gehen, Steuerung mit Autopilot (unter Deck bedienbar)
  4. Ausguck: AIS-Radar, durch die Fenster und häufiger draußen ein Rundumblick

Falls im Szenario B ein Blitzschlag die Elektronik zerstört, wird mit der Notpinne in der Achterkabine nach Magnetkompass gesteuert. Damit können wir - wir habens ausprobiert - einen Kurs auf ca. 30 Grad (nach Backbord und Steuerbord) genau halten. Was für die meisten Situationen in Landnähe ausreichend sein sollte.

Es mag ein bisschen hysterisch wirken, und jetzt, so im Sonnenschein zuhause, kommen mir diese Vorkehrungen angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit des Blitzschlags fast übertrieben vor. Auf der anderen Seite steht aber die Erinnerung an die Gewitterfahrt und das Bild des zerstörten Masttopps bei der Yacht, die später neben uns lag. Das Boot muss für diese Eventualität gewappnet sein, erst dann ist es wirklich sicher auf See.

11. Sep. 2012

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